Montag, 20. November 2006
Volle Ladung Woo
Das Leo Englisch-Deutsche Wörterbuch bietet für Woo keine vernünftige Übersetzung an. Humbug wäre ganz passend, aber das benutzen Leute englischer Zunge auch so. Was also ist Woo genau? Die Experten von der University of Integrated Science California könnten darüber ganz ohne Zweifel stundenlang reden, da sie so ziemlich jede denkbare Variante davon praktizieren. Die Jungs und Mädels haben zusammen eine derart geballte Menge an pseudomedizinischem und pseudowissenschaftlichem Gebrabel in ihren aufgeblasenen CVs stehen, das selbst homöopathiegestählten Bachblütenanwendern vor Ehrfurcht die Knie schlottern dürften. Das ganze wäre trotzdem eher langweilig, wenn nicht eine wirklich putzige Übersetzung ins Deutschähnliche den Texten eine humoristische Note geben würde. Zwar finden sich im illustren Dozentenstadel dieser Uni ein paar unverkennbar deutsche Charakterdarsteller, aber die sind offenbar nicht zum Querlesen ihrer Lebensgeschichten und Uni-Webseiten gekommen.

Einige Kurse hören sich allerdings echt kreativ an. Wie wäre es z.B. mit Quanten-Cybernetik:

Dieses Programm ist zur Unterstützung der persönlichen und globalen Evolution gewidmet, indem Tachyon und Vertikalität in die chinesische Akupunktur, Naturheilmedizin, Shamismus und Quantenmechanik eingeschlossen werden und dadurch Professionalität auf einem akademischen Niveau angeboten und repräsentiert wird.

Shamanismus und Quantenmechanik! Etwas beängstigend ist es allerdings, dass Menschen mit militärischem Hintergrund bevorzugt in den elitären Kreis der Tachyonenschwindler aufgenommen werden. Die Vorstellung von schwer bewaffneten und militärisch ausgebildeten Veganern macht mir schon etwas zu schaffen:

Im Militär zu sein ist ein ausgezeichneter Weg Ihre Bildung zu verbessern und gleichzeitig Ihrem Land zu dienen. UISCA ist bemüht Hochschulcredits für Ihre militärische Erfahrung zu vergeben. Die Zeit, die Sie gedient haben und die Aufgaben die Sie bewältigt haben, können Ihnen helfen früher zu graduieren wie sie vielleicht denken.

Haben Sie gedient? Dann haben Sie den Kurs Tantra - Sacred Sexuality for Singles 101 praktisch schon bestanden.

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Freitag, 13. Oktober 2006
Grüner Punkt
Was bei Software und sub-optimaler Qualitätssicherung unter hohem Zeitdruck (Battlefield 2, Titans Quest) üblich geworden ist, geht offenbar auch in der alternativen Medizin-Szene: einfach einen Patch herunterladen.

Der Reiki-Patch von www.reikihealingpatch.com markiert als grüner Punkt die volle Rückführbarkeit des Trägers in die esoterische Wertstoffkette:

Der Reiki Healing Patch wurde speziell entwickelt, um durchgehend Reiki strömen zu lassen. Sie können es einfach bei sich führen, es an einer bestimmten Stelle auf die Haut kleben, oder auch irgend einen Gegenstand damit aufladen.
Auf die Stirn geklebt bedeutet so ein grüner Punkt ungefähr soviel wie "Großhirn nach unbekannt verzogen, wichtige Nachrichten bitte bei meiner Milz abgeben". Laut der Testimonials können die Plasterchen u.a. folgendes:
  • Zysten auf Eierstöcken entfernen
  • Altersschwache Schlittenhunde wieder munter machen
  • Schlafstörungen beheben
  • Innere Raumfahrten mit Begegnungen auslösen

Also, unter dem Pflaster liegt der Strand...

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Dienstag, 3. Oktober 2006
Silberwasser
In unserem Bekanntenkreis braut sich eine nette ältere Dame ein ganz besonders edles Tröpfchen zusammen: Kolloidales Silber. Das ist in Wasser gelöstes ionisiertes Silber. Lecker. Da musste ich mir dann einfach mal ein paar Seiten dazu ansehen, und eine hat mir aufgrund ihres unfreiwilligen Humors besonders gut gefallen. Zitat:

Kolloidales Silber fordert intensiv das Immunsystem in seiner Kampfbereitschaft heraus.

Das mit der Herausforderung an das Immunsystem ist sicher ganz anders gemeint, als es Birgit Breuch vom Cosmetikinstitut BB auf den Seiten ihres Webauftritts formuliert. Die Biggi sagt nämlich nicht nur Immunsystemen, sondern auch dem Sinn im Satz kompromisslos den Kampf an. Von qualitativ hochwertigem "Colloidal Silver" erfolgt mittels eines elektrischen Generators, welcher über ein Elektrolyseverfahren aus 99,9% reinen Silberstäben die mikroskopisch kleinen Silbervercluster herauslöst. Aha.

Nach der szene-üblichen maßlosen Verteufelung von Antibiotika ("Nun ist es ja kein Geheimnis mehr, dass Antibiotika hinsichtlich ihrer Daseinsberechtigung sehr kritisch betrachtet werden müssen.") folgen die wundersamen Eigenschaften von kolloidalem Silber, dessen antivirale Wirksamkeit offenbar vergleichbar mit der ganz schweren Artillerie unter den HIV-Medikamenten ist. Aber das alles selbstverständlich ganz ohne Nebenwirkungen:

Wie wirkt dieses "Wundermittel"? Nachweislich unterbricht das ionisierte Silber die für das Leben der Bakterien notwendige Atmungskette ähnlich der in der Schulmedizin bekannt gewordenen Proteasehemmer, in dem sich die Ionen an der Zellmembran der Bakterien festsetzen. Das allerdings ohne die zum Teil dramatischen Nebenwirkungen dieser Medikamente. Bei der Bekämpfung von Viren blockieren die Silberionen die Basenpaare in der DNA und verhindern so eine Reduplikation der Viren. Da die Silberionen die Bakterien nicht direkt angreifen, sind Resistenzbildungen nicht möglich.

Ob die Bakterien und Viren das auch schon wissen? Dass Silber antibiotisch wirkt, ist bekannt, aber auch, dass die kleinen Mistkerle ziemlich schnell resistent dagegen werden. Ob da nicht jemand besser bei lila Nagellackierung für ihre Kundinnen geblieben wäre? Was der Artikel nämlich völlig verschweigt sind die klitzekleinen Nebenwirkungen regelmäßiger Silbereinnahme: Argyria, eine irreversible Verfärbung der Haut. Guckst Du, so sieht das aus:

Da ich mir gerade ein Eigenheim kaufe, war mein erster Gedanke: Hey, eigentlich ist schieferfarben eine ganz nette Farbe für ein Badezimmer. Aber im Gesicht?

Um ganz sicher zu gehen, dass man seinen Körper mit völlig unbekannten Mengen von Metallen äußerst fragwürdiger Wirkung anreichert, kann man sich das Zeug auch mit einem kleinen überteuerten Gerät selber herstellen. Wohl bekommts!

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Montag, 2. Oktober 2006
Blutparasiten!
Auf der Webseite www.maya.at kann man sich in das (wieder einmal) weit überlegenene Wissen eines ehemaligen Naturvolkes vertiefen und den Maya-Kalender sowie das schrubbelige Geschreibe dazu bewundern. Hier mal ein kleiner Auszug, was einem da so geboten wird:

Da jeder Mensch seine dritt-dimensionale Inkarnation in der Zeit wahrnimmt, ist auch jeder mit seiner Geburts-Tages-Energie “verflochten”, es ist faktisch sein Programm-Modul, mit dem er in der Zeit seines augenblicklichen Lebens spielt. Jeder Tag ist also für uns Menschen eine spezifische Resonanzenergie. Daher ist auch das individuelle Befinden an jedem Tag anders, an manchen Tagen fließen gewisse Angelegenheiten mühelos, an manchen nicht.....

Also die üblichen Erkenntnisse, die auf eine Überdosis Göttlicher-Flieder-Räucherstäbchen, Kräutertee und New-Age-Musik schließen lassen. Mittlerweile prüfe ich zweimal, ob es nicht doch eine Parodie sein könnte, aber dieses Gebrabel ist, soweit ich sehen kann, genau das, was Hardcore-Esoteriker im Rahmen ihrer Möglichkeiten halt so hinschreiben, nachdem sie sich die Ohrkerzen aus dem Gehörgang gezogen haben. Viel interessanter als der Maya-Mumpitz ist aber der Beitrag zum Blutparasitismus. Ein schaurig schöner Titel, und der Inhalt ist echt der Hammer: offenbar muss wieder einmal unser Verständnis von Krankheiten völlig umgeschrieben werden. Am Anfang steht, wie bei fast jeder alternativen Medizin, ein zu seiner Zeit völlig verkanntes Genie:

Bechamp (Chemiker, Biologe und Prof. der Pharmazie 1816-1908) behauptete, daß alle pflanzlichen und tierischen Zellen kleinste Körnchen enthielten, (er nannte sie Microzymas) die nach Absterben des Organismus selbst nicht zugrunde gingen, die Ursache für die Gärung seien und aus denen auch andere Mikroorganismen entstehen könnten. Diese » Microzymas« wären in jedem Lebewesen, in Menschen, Tieren und Pflanzen. Sie wären ewig und unzerstörbar und bildeten den Übergang zwischen unbelebter und lebender Materie. Unter bestimmter pathogener Einwirkung könnten diese »Microzymas« sich in Bakterien mit fäulniserregenden und gärenden Eigenschaften entwickeln. Somit hätten alle Krankheiten ihren Ursprung im INNEREN des Körpers.

Das Unglück nahm seinen Lauf, als man ihm nicht glaubte und sein böser Widersacher auftrat:

Damit war der Pleomorphismus entdeckt und die Grundlage geschaffen, aus der die weitere Forschung sich hätte entwickeln müssen, wenn Pasteur (Mikrobiologe 1822-1895) sich nicht eingemischt hätte.

Um es kurz zu machen: der hinterhältige alte Pasteur hat damals mit seinen Angriffen auf den Pleomorphismus erst einmal die medizinische Forschung angeblich ganz weit zurückgeworfen. Bis dann endlich jemand die verloren gegangenen Ideen übernahm:

Prof. Enderlein war Mikrobiologe, Zoologe und Oberkustos des Zoologischen Museums Berlin (1872-1968) und vertiefte sich in die Studien von Prof. Bechamp. [...] Enderlein konnte durch seine Forschungen den Kreislauf der Mikroben beschreiben und nachweisen.

Mit diesem "Kreislauf der Mikroben" ist die - Mikrobiologen und Genetiker, ihr müsst jetzt ganz tapfer sein - Verwandlung von Viren zu Pilzen zu Bakterien und zurück gemeint. Dafür gibt es natürlich auch Beweise:

Der eine Pilz, Aspergillus Niger, durchläuft alle Stadien die zu Lungenerkrankungen führen und nimmt in seiner Endphase die Form des Koch ‘schen Bazillus an.

Das ist schon klasse, wie dieser Aspergillus Niger das macht, da er als eukaryontischer, kernhaltiger Pilz mit einem kernlosen Bakterium genetisch ungefähr so verwandt ist wie Anna Nicole Smith mit einer Topfpflanze. Prof. Enderleins Theorien werden auf erstaunlich vielen Webseiten gefeiert.

All seine Forschungsergebnisse wurden seit über 90 Jahren noch nie widerlegt, sondern weltweit, weitgehend bestätigt.

Die Verwandlung eines Pilzes in ein Bakterium ohne Verwendung der in der DNA codierten Information - denn da steht wohl nix dazu - wäre auch ganz schwer zu widerlegen, da sie nach heutigem Kenntnisstand im Reich der Mythen, Wunder und Legenden liegt. Dort fallen Falsifikationen eben schwer. Wie wäre es mit einem klitzekleinen Beweis von denjenigen, die sowas behaupten? Vielleicht ein Filmchen aus dem Elektronenmikroskop, es stehen ja genug auf der Welt rum... Ach ja: die Microzymas hätten wir auch mal gerne gesehen.

Die wenig überraschende Schlussfolgerung der Maya-Mystiker:

Angesichts der Enderlein ‘schen Forschungsergebnisse müssen die sogenannten »Schutzimpfungen« und Genmanipulationen in völlig neuem Licht gesehen werden. Sie bringen keinen Fortschritt sondern beschleunigen den gesundheitlichen Niedergang.

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Dienstag, 26. September 2006
Preiswerte Homöopathie?
Unter dem verwirrenden Titel Homöopathie keine kostspielige Alternative meldet vitanet.de, dass die Behandlung chronischer Rückenschmerzen mit Homöopathie genausoviel kostet wie eine konventionelle Behandlung, nämlich pro Jahr im Schnitt 2000 Euro.

Hm, Globuli für 2000 Euro? Ich dachte immer, dass gerade Homöopathie besonders preiswert wäre - der Entwicklungsaufwand und die Herstellungskosten müssten sich ja in vernünftigen Grenzen halten. Zumindest erzählen mir meine zuckerkugelabhängigen Freunde und Bekannten immer, dass die böse Pharamindustrie Homöopathie nicht mag, weil sie daran angeblich nicht soviel verdient. Wenn das stimmt, dann müsste ja umso mehr beim Homöopathen in der Registrier bleiben. Vielleicht erklärt das diese vielen opportunistischen Hausärzte, die die Zusatzqualifikation zum Homöopathen gemacht haben?

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Samstag, 23. September 2006
Impfgegner
Menschen mit einem Hang zum Irrationalen können im Rahmen ihrer Möglichkeiten sehr unterhaltsam sein. Das liegt vor allem daran, dass die meisten der praktizierten Formen der alternativen Realitätswahrnehmung so wenig Schaden anrichten.
Man kann z.B. von Astrologen ansonsten halten was man will, aber ein Horoskop für die Hauskatze ist sicher nicht schädlich und kann daher sogar richtig komisch sein.

Ganz anders sieht die Sache aus, wenn sich Quacksalber in Bereichen der Medizin versuchen, wo es nicht bloß um die Steigerung des Wohlbefindens geht, sondern um handfeste lebensbedrohende Krankheiten. Homöopathen kann ich an guten Tagen auch mal tolerieren, solange sie sich auf ihre ausgewiesenen Fachgebiete (leichte Erkältung, generelles Unwohlsein, Eifersucht bei jungen Mädchen) beschränken. Bei Malaria-Prophylaxe hört der Spass aber auf, dafür gehören die verantwortlichen Zuckerkugelverschieber meiner Meinung nach hinter Gittern.

In der "Alternativen Medizin" und Anthroposophie gehört es zum guten Ton, dem Nutzen von Impfungen generell speptisch gegenüberzustehen. Was dann manchmal dazu führt, dass Masern-Epedemien von anthroposophischen Kindergärten und -Schulen ausgehen. Hinter der "Impfmüdigkeit" der Deutschen steckt heute eine weit verbreitete Mundpropaganda, die z.B. die für Erwachsene oft lebensbedrohlichen und schmerzhaften "Kinderkrankheiten" systematisch verharmlosen und die Erfolge des Impfens stur leugnen.

Ein Beispiel für dieses Vorgehen ist das Naturheilzentrum Alstertal, dessen nicht unsympathisch wirkende Belegschaft auf ihrer Impf-Informationsseite ein Feuerwerk aus bewussten Fehlinformationen abfeuert:

Für die Wirksamkeit von Impfungen fehlt bisher jeglicher wissenschaftlicher Nachweis. Impfungen bieten keinen sicheren Schutz. Der Begriff Impfschutz ist daher irreführend.

Die Pocken wurden dank der Impfungen ausgerottet und Kinderlähmung ist weltweit zu einer sehr seltenen Erscheinung geworden. Welche wissenschaftlichen Beweise sollen da noch fehlen?

Um die Notwendigkeit von Impfungen argumentativ zu untergraben wird eine bemerkenswerte Tabelle produziert. Diese gibt u.a. an:

- von 1990 bis 1999 gab es nie mehr als vier Polio-Fälle pro Jahr
- diese Fälle seien seit 1991 ausschließlich durch die Impfung entstanden
- die Impfrate bei Polio liegt bei 29,4%

Die Kinderlähmung (Polio) ist also offenbar so selten, dass man sich nicht dagegen impfen muss. Zudem lösen die Impfungen trotz der niedrigen Impfrate die Krankheit praktisch ausschließlich aus.

Die Tabelle ist deshalb so bemerkenswert, weil sie in Richtung des gewünschten Ergebnisses manipuliert wurde. So stammen die Zahlen der Polio-Erkrankungen vom Robert Koch Institut (RKI), die Impfrate dagegen aus der "Praxis-Depesche 20/1999" (mir nicht zugänglich). Die genannte Impfrate von 29,4% ist aber falsch, laut Bundesgesundheitsbl – Gesundheitsforsch – Gesundheitsschutz 2004; 47: 1144–1150 und RKI liegt die Zahl immer noch bei weit über 90%. Wieso werden wohl die Erkrankungsfälle aus einer Quelle entnommen, die Impfrate dagegen aus einer völlig anderen, die eine viel zu niedrige Quote angibt?

Interessant ist auch der gewählte Zeitraum: von 1990 bis 1999. Nach 1998 wurde nämlich bei Polio auf einen langsamer wirkenden Impfstoff umgestellt, um die durch Impfungen ausgelösten Krankheitsfälle zu unterbinden - der Einsatz dieses Impfstoffes ist nur möglich, weil durch die hohe Impfrate die akute Ansteckungswahrscheinlichkeit gering ist. Seit dem Jahr 2000 gibt es keine Polio-Neuinfektionen durch Impfungen in Deutschland!

Für den Nachweis der Wirksamkeit von Polio-Schluckimpfung hätte übrigens ein Blick auf die Zahlen genügt, als die Schluckimpfung eingeführt wurde - in den 60er Jahren:

Bereits 1965 – d. h. nur 4 Jahre nach Beginn der ersten Impfkampagnen – hatte sich die Zahl der im Bundesgebiet erfassten Erkrankungen auf weniger als 50 Neuerkrankungen reduziert, im Vergleich zu den 4.670 gemeldeten Neuerkrankungen im Jahr 1961 war das ein Rückgang um 99%. Diese günstige Situation blieb dank der weiterhin hohen Impfraten von über 90% bei den Kindern bis heute erhalten. Die letzten beiden einheimischen (autochthonen) Erkrankungen durch Polio-Wildviren traten in Deutschland in den Jahren 1986 und 1990 auf, die letzten importierten Fälle wurden 1992 erfasst.

Nach 1991 kam es jedoch weiterhin zu Einzelfällen paralytischer Poliomyelitis-Erkrankungen, die durch das Impfvirus verursacht wurden, sog. Vakzine-assoziierte paralytische Poliomyelitis (VAPP). Die letzten beiden typischen Erkrankungen dieser Art in Deutschland wurden 1998 erfasst. Die 1998 erfolgte Umstellung von der oralen Impfung mit Lebendimpfstoff (OPV) zur intramuskulären Impfung mit einem inaktivierten Impfstoff (IPV) bietet die Gewähr, dass die früher zwar selten, aber regelmäßig auftretende VAPP künftig nicht mehr vorkommt.

(Quelle: RKI)

Auch die Impfraten der anderen infektiösen Krankheiten sind offenbar inkorrekt, Vergleichsdaten aus der Zeit vor den Impfungen fehlen.

Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass der oder die Autoren dieser "Informationsseite" die Daten und Aussagen nicht absichtlich wie oben angegeben leicht in die weltanschaulich genehme Richtung verschoben haben. Die Daten des RKI sind frei zugänglich, alle Daten, die die positiven Effekte von Impfungen zeigen, wurden jedoch nicht genannt, ebensowenig die weltweiten Daten zu Polio, die ausserhalb der Industrieländer leider keine ausgerottete Krankheit ist. Die Aussage, dass es keinen wissenschaftlichen Nachweis zur Wirkung von Impfungen gibt, ist absurd.

Die Damen und Herren Naturheiler lassen es sich nicht nehmen, jedem Impf-Interessierten möglichst viel Angst zu machen und zu verunsichern (Nebenwirkungen! Risiko! Lassen sie sich bescheinigen, dass sie gesund sind! Buuuuuuuuuhuuuuu!). Und zum Abschluss:

Die Entscheidung für oder gegen Impfungen muss jeder für sich oder sein Kind selber treffen – informieren Sie sich.

Na danke schön, von Euch bekommt man ja offensichtlich ganz objektive Beratung. Man kann ruhig mal sagen, dass Impfungen keinen 100%igen Schutz bieten, aber es ist unsozial, für sich selbst den Schutz einer hohen Impfrate in der Bevölkerung in Anspruch zu nehmen, dann aber seine eigenen Kinder vom Impfen auszunehmen. Nicht alle Erwachsenen können sich aufgrund gesundheitlicher Beschränkungen z.B. selbst gegen Masern impfen lassen und diese Menschen werden durch konsequente Impfungen im Rest der Bevölkerung vor der für sie gefährlichen Ansteckungen geschützt.

Die Polio könnte längst wie die Pocken ausgerottet sein, wenn wir weltweit eine ausreichend hohe Impfrate hätten - die WHO hatte die Ausrottung für 1995 als Ziel gesetzt. Ich würde diese Impf-Egoisten gerne mal in die Gebiete der Welt schicken, wo sie sich vor Ort über die Wirkung der Kinderlähmung schlau machen können.

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Mittwoch, 13. September 2006
Ente findet Quacksalber
The little black duck hat ein Qack-O-Meter, mit dem sich Webseiten automatisch auf Esoterikgebrabel und Pseudomedizin untersuchen lassen.

Eigentlich dürfte das nur für Englisch funktionieren, aber ich habe mal versuchsweise meine IR-kristallaktivierenden Freunde vom D-Research Privatverlag untersuchen lassen, und präzise 5 Enten erhalten (ey, da geht noch was!). Meine kleine Firma bekommt dagegen 0 Enten. Scheint soweit also gut zu funktionieren.

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