Montag, 2. Oktober 2006
Blutparasiten!
Auf der Webseite www.maya.at kann man sich in das (wieder einmal) weit überlegenene Wissen eines ehemaligen Naturvolkes vertiefen und den Maya-Kalender sowie das schrubbelige Geschreibe dazu bewundern. Hier mal ein kleiner Auszug, was einem da so geboten wird:

Da jeder Mensch seine dritt-dimensionale Inkarnation in der Zeit wahrnimmt, ist auch jeder mit seiner Geburts-Tages-Energie “verflochten”, es ist faktisch sein Programm-Modul, mit dem er in der Zeit seines augenblicklichen Lebens spielt. Jeder Tag ist also für uns Menschen eine spezifische Resonanzenergie. Daher ist auch das individuelle Befinden an jedem Tag anders, an manchen Tagen fließen gewisse Angelegenheiten mühelos, an manchen nicht.....

Also die üblichen Erkenntnisse, die auf eine Überdosis Göttlicher-Flieder-Räucherstäbchen, Kräutertee und New-Age-Musik schließen lassen. Mittlerweile prüfe ich zweimal, ob es nicht doch eine Parodie sein könnte, aber dieses Gebrabel ist, soweit ich sehen kann, genau das, was Hardcore-Esoteriker im Rahmen ihrer Möglichkeiten halt so hinschreiben, nachdem sie sich die Ohrkerzen aus dem Gehörgang gezogen haben. Viel interessanter als der Maya-Mumpitz ist aber der Beitrag zum Blutparasitismus. Ein schaurig schöner Titel, und der Inhalt ist echt der Hammer: offenbar muss wieder einmal unser Verständnis von Krankheiten völlig umgeschrieben werden. Am Anfang steht, wie bei fast jeder alternativen Medizin, ein zu seiner Zeit völlig verkanntes Genie:

Bechamp (Chemiker, Biologe und Prof. der Pharmazie 1816-1908) behauptete, daß alle pflanzlichen und tierischen Zellen kleinste Körnchen enthielten, (er nannte sie Microzymas) die nach Absterben des Organismus selbst nicht zugrunde gingen, die Ursache für die Gärung seien und aus denen auch andere Mikroorganismen entstehen könnten. Diese » Microzymas« wären in jedem Lebewesen, in Menschen, Tieren und Pflanzen. Sie wären ewig und unzerstörbar und bildeten den Übergang zwischen unbelebter und lebender Materie. Unter bestimmter pathogener Einwirkung könnten diese »Microzymas« sich in Bakterien mit fäulniserregenden und gärenden Eigenschaften entwickeln. Somit hätten alle Krankheiten ihren Ursprung im INNEREN des Körpers.

Das Unglück nahm seinen Lauf, als man ihm nicht glaubte und sein böser Widersacher auftrat:

Damit war der Pleomorphismus entdeckt und die Grundlage geschaffen, aus der die weitere Forschung sich hätte entwickeln müssen, wenn Pasteur (Mikrobiologe 1822-1895) sich nicht eingemischt hätte.

Um es kurz zu machen: der hinterhältige alte Pasteur hat damals mit seinen Angriffen auf den Pleomorphismus erst einmal die medizinische Forschung angeblich ganz weit zurückgeworfen. Bis dann endlich jemand die verloren gegangenen Ideen übernahm:

Prof. Enderlein war Mikrobiologe, Zoologe und Oberkustos des Zoologischen Museums Berlin (1872-1968) und vertiefte sich in die Studien von Prof. Bechamp. [...] Enderlein konnte durch seine Forschungen den Kreislauf der Mikroben beschreiben und nachweisen.

Mit diesem "Kreislauf der Mikroben" ist die - Mikrobiologen und Genetiker, ihr müsst jetzt ganz tapfer sein - Verwandlung von Viren zu Pilzen zu Bakterien und zurück gemeint. Dafür gibt es natürlich auch Beweise:

Der eine Pilz, Aspergillus Niger, durchläuft alle Stadien die zu Lungenerkrankungen führen und nimmt in seiner Endphase die Form des Koch ‘schen Bazillus an.

Das ist schon klasse, wie dieser Aspergillus Niger das macht, da er als eukaryontischer, kernhaltiger Pilz mit einem kernlosen Bakterium genetisch ungefähr so verwandt ist wie Anna Nicole Smith mit einer Topfpflanze. Prof. Enderleins Theorien werden auf erstaunlich vielen Webseiten gefeiert.

All seine Forschungsergebnisse wurden seit über 90 Jahren noch nie widerlegt, sondern weltweit, weitgehend bestätigt.

Die Verwandlung eines Pilzes in ein Bakterium ohne Verwendung der in der DNA codierten Information - denn da steht wohl nix dazu - wäre auch ganz schwer zu widerlegen, da sie nach heutigem Kenntnisstand im Reich der Mythen, Wunder und Legenden liegt. Dort fallen Falsifikationen eben schwer. Wie wäre es mit einem klitzekleinen Beweis von denjenigen, die sowas behaupten? Vielleicht ein Filmchen aus dem Elektronenmikroskop, es stehen ja genug auf der Welt rum... Ach ja: die Microzymas hätten wir auch mal gerne gesehen.

Die wenig überraschende Schlussfolgerung der Maya-Mystiker:

Angesichts der Enderlein ‘schen Forschungsergebnisse müssen die sogenannten »Schutzimpfungen« und Genmanipulationen in völlig neuem Licht gesehen werden. Sie bringen keinen Fortschritt sondern beschleunigen den gesundheitlichen Niedergang.

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