Montag, 4. September 2006
Who the fuck is Norbert Domeisen?
In einem früheren Beitrag habe ich auf einen besonders hübschen Gegenbeweis (hust, röchel) von Cantor's Diagonalbeweis zur Überabzählbarkeit der reelen Zahlen verwiesen. Der Autor, Norbert Domeisen, ist ein echtes Mysterium, eine Art menschliche Bielefeldverschwörung, die sich dem Zugriff jeder direkten Internetrecherche entzieht. Also, wer ist dieser Mann eigentlich?

Offenbar ein Schweizer, denn wer außer einem Schweizer würde schon mutwillig einen Aufsatz zum Thema Bürgermeister Johann Heinrich Waser (1600-1669) als Politiker, Ein Beitrag zur Schweizer Geschichte des 17. Jahrhunderts schreiben.

Auch seine Erläuterungen zum Schweizer Verfassungsgeschichte, Geschichtsphilosophie und Ideologie lassen auf einen unverarbeiteten eidgenössischen Hintergrund und hohe Leidensfähigkeit schließen. Außerdem ist er entweder Historiker, oder ein Jurist, der durch ein mißglücktes biologisches Experiment zum Historiker mutiert ist. Eine Leseprobe:


Die Gegenposition der Städte, soweit sie unter sich einig waren, lässt sich folgendermassen umschreiben: Sie versuchten einerseits, ihre Territorialbildung zu fördern und zu stärken, gleichzeitig aber auch, Konflikte untereinander, hervorgerufen durch gegensätzliche Territorial- und Burgrechtspolitik, zu vermeiden oder rechtlich zu regeln, andererseits war ihnen daran gelegen, den städtischen Einfluss im Bündnissystem der Eidgenossenschaft zu verstärken, also der Eidgenossenschaft den Charakter eines Städtebundes zu geben, um damit die städtischen Interessen zu wahren, besonders aber um ihre grösstmögliche Unabhängigkeit und Freiheit zu sichern.



Das war ein einziger Satz! Nobbie wird in der Wikipedia überraschend oft zitiert, leider aber eben nicht nur unter dem Thema "Die Unverdauliche Rechtsgeschichte Obskurer Alpenvölker", sondern auch unter dem Eintrag zu unserem Meister Kurt Gödel. Der gleiche Norbert Domeisen, der Cantors Diagonalbeweis schon nicht verstanden hat,
schreibt allen ernstes Bücher über Logik, nämlich Logik der Antinomien. Bern 1990. ISBN 3-261-04214-1, Zentralblatt MATH.

Aber wer um alles in der Welt zitiert ausgerechnet diesen Mann in einem ansonsten staubtrockenen Wikipedia-Artikel? Jemanden, der uns in der besten Tradition der italienischen Dadaisten diesen wundervollen Satz schenkt:

Auch ein anderer Beweis für die Behauptung, dass 1 = 0,999... sei, ist falsch. Dieser Beweis basiert wieder auf der unzulässigen Multiplikation der unendlichen Dezimalbruchentwicklung 0,999..., indem die Gleichung x=0,999... beidseitig mit 10 multipliziert, dann auf beiden Seiten x abgezogen und schliesslich beide Seiten durch 9 dividiert werden. Als Resultat ergibt sich dann, dass 0,999... = 1 ist, aber auch der Widerspruch, dass x ungleich x ist, also eine nach den Regeln der Logik falsche Aussage, was allerdings nirgends in der Literatur bemerkt wird. (aus Ist die unendliche Periode 0,999... = 1 ?)

Mir bleibt nur eine Erklärung: sowohl die Originaltexte als auch die die Zitate in der Wikipedia müssen eine subversive Form von Humor sein. In diesem Sinne, noch etwas erbaulicher Nonsens:

Wäre 9/9 = 1 = 0,999... dann würde dies den Rechenregeln zufolge bedeuten, dass 9*0,999... = 9 wäre, wobei nicht zu sehen ist welche Multiplikationsregel hier angewendet werden müsste, ist doch 9*9 = 81, so dass 9 mal 0,999... so etwas wie 8,999...1 ergäbe. Offensichtlich ist die Multiplikation von unendlichen Dezimalbruchzahlen doch nicht so einfach, wie uns jene Mathematiker glauben machen wollen, die kurzerhand erklären, 3 mal 0,333... sei 0,999... und dabei als selbstverständlich unterstellen, die elementaren Multiplikationsregeln gälten für unendliche Dezimalbrüche genauso wie für endliche.

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